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New in July 2010 - to Carlos Kleiber´s 80th birthday
Neu im Juli 2010 zu Carlos Kleiber 80. Geburtstag
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Carlos Kleiber zum 80. Geburtstag - Beitrag von Alexander Werner im Badischen Tagblatt
Mein Text zum Booklet des Kleiber-Gedenkkonzerts in Ljubljana Ende Juni mit Riccardo Muti und den Philharmonikern
sowie neu ein Beitrag in Deutsch und Japanisch
für die japanische Musikzeitschrift von Ongaku no Tomo Sha über meinen Besuch in Slowenien 2008
sowie Infos zu TV-Dokumentation über Carlos Kleiber im Juli
Der tiefe Zugang zum Menschen und Künstler Carlos Kleiber
Es erstaunt mich, wenn in der Presse vom „Phänomen“ Kleiber so gesprochen wird, als wäre es bislang noch nie ergründet worden. Auch lieb gewordene Legenden wie die vom grausamen Übervater Erich Kleiber werden dabei gerne und kaum reflektiert weitergetragen. Immer wieder wird auf die zentrale Bedeutung des unzugänglichen Familienarchivs verwiesen, das angeblich unverzichtbar sein soll, um diesen Ausnahmekünstler zu verstehen.
Ginge es darum, Carlos Kleibers Arbeitsweise und sein Musikverständnis anhand der von ihm eingerichteten Partituren wissenschaftlich zu analysieren, mag das stimmen. Nur würde dies weit über das Anliegen einer Biografie hinausführen. Allerdings ist zumindest seit der Veröffentlichung meines Buches im Wesentlichen bekannt, worauf Carlos Kleiber bei seinem Notenmaterial Wert legte. Um das „Phänomen“ Kleiber zu entschlüsseln, bedurfte es weit mehr: es ging darum, in die Tiefen seines Wesens vorzudringen. Natürlich könnten auch hier unbekannte Archivmaterialien weitere wertvolle Erkenntnisse liefern. Doch die Vielzahl der mir zugänglichen Dokumente sowie die Kommunikationsfreude von Erich und Carlos Kleiber in persönlichen Briefen und Gesprächen erlaubten mir, einen tiefen Zugang zum Menschen und Künstler Kleiber zu finden.
Wer das Buch genau liest, wird alles zu diesem Thema finden. Kleiber war ja kein Mensch und Musiker von einem anderen Stern. Was ihn auszeichnete, war sein überragendes musikalisches Naturtalent. Das wollte sich entfalten und wurde gleichzeitig in jungen Jahren vom Vater Erich Kleiber in dem Willen geformt, Mittelmäßigkeit niemals zu dulden. Dass dies nur mit harter Arbeit zu erreichen ist, auch das lernte Carlos von seinem Vater.
Kleiber studierte und korrigierte die Partituren akribisch, frischte sie mit seinen Einzeichnungen und unkonventionellen Bogenstrichen auf. Er besaß ein geniales Gespür für Rhythmik und Präzision, für packende Tempi und poetische Tiefe.
Text in Japanese
Es war eine ganz besondere Herausforderung bei der Recherche zu meiner Kleiber-Biografie, das Verhältnis von Carlos zu seinem Vater Erich zu ergründen. Hier haben sich über Jahrzehnte hinweg Gerüchte und Anekdoten zu vermeintlichen Tatsachen verfestigt, die meist eher unreflektiert und ohne Bezug auf zuverlässige Quellen wiedergegeben werden.
Ich ging bei meiner Recherche vom oft gezeichneten Bild des autoritären, ja, diktatorischen Übervaters aus, der seinen Sohn angeblich schlecht behandelt und vehement versucht haben soll, ihm eine Laufbahn als Musiker zu verwehren. Dass Carlos’ Schwester dies ganz anders darstellt, reichte angesichts ihrer persönlichen Nähe zu Vater und Bruder nicht aus, um die gängigen Ansichten zu widerlegen. Doch andere, überaus enge Vertraute von Carlos Kleiber, hatten ebenso wenig den Eindruck eines schlechten Vater-Sohn-Verhältnisses.
Beitrag zu Carlos Kleiber und dem Gerücht von der angeblichen Vaterschaft Alban Bergs
Text in Japanese
Immer mal wieder schwappt es hoch: das Gerücht, Carlos Kleiber sei tatsächlich nicht der Sohn Erich Kleibers, sondern hervorgegangen aus einer Affäre des Komponisten Alban Berg mit der Gattin des großen Dirigenten.
Angeblich soll Berg ein Verhältnis zur Frau eines bedeutenden Dirigenten gehabt haben. Belegt ist jedoch nur, dass 1925 Bergs Liebe zur verheirateten Hanna Fuchs, der Schwester des Schriftstellers Franz Werfel, entflammte. Über zehn Jahre schrieb er ihr glühende Liebesbriefe.
Auch Erich Kleiber, so kühl er nach außen wirken mochte, offenbarte tiefe Gefühle für eine Frau – anders als Berg jedoch für seine eigene junge Gattin, der Amerikanerin Ruth Goodrich. Nach ihrer Heirat im Jahr 1926 erklärte er ihr immer wieder in köstlich zu lesenden Briefen seine Liebe.
Zeitzeugen hatten nicht nur den Eindruck einer sehr glücklichen und liebevollen Ehe, sondern erzählten, wie sehr Ruth ihren Mann offensichtlich verehrte und sich aufopfernd um ihn kümmerte. Beide sehnten sich nach einer Familie und schon bald, im März 1928, wurde ihre Tochter Veronika geboren und dann im Juli 1930 ihr Sohn Karl Ludwig. Ruth Kleiber müsste also, wollte man dem Gerücht glauben, gerade in dieser emotional und familiär innigen Zeit, ihren Mann betrogen haben. Und das ausgerechnet mit einem Vertrauten Kleibers, für den er so viel getan hatte und tat – und der in Liebesgefühlen für eine andere Frau schwelgte.
Carlos Kleiber - die Legende am Dirigentenpult
Die Musikwelt lag ihm zu Füßen, feierte ihn als Genie – und doch gab Carlos Kleiber allen Rätsel auf. Die großen Häuser der Welt, die Orchester und das Publikum rissen sich um den charismatischen, als schwierig verschrienen Pultstar, dem eine schillernde Karriere und der Ruhm, der ihn schon zu Lebzeiten zur Legende machte, so wenig bedeuteten.
Doch hinter vermeintlicher Exzentrik verbarg sich ein zutiefst ehrliches und aufopferndes Bemühen um die Musik. Allein ihr fühlte sich dieser begnadete Dirigent verpflichtet, den Komponisten und ihren Partituren, die ihm heilig waren im nahezu besessenen Streben nach Perfektion und dem idealen Klang, der ihm im Inneren vorschwebte.
Kompromisslos wandelte Carlos Kleiber auf den Spuren seines Vaters, des großen Erich Kleiber, der ihm Vorbild und Maßstab zugleich wurde. Unbeirrt trotzte er, oft fast verzweifelnd, der gängigen Routine, dirigierte nur, wenn ihm Opernhäuser und Orchester zumindest annährend die Arbeitsbedingungen gewährten, die er verlangte. Im Ringen um die Musik entfachte Carlos Kleiber Leidenschaften, schuf neue Klangwelten in einmaligen Sternstunden und wenngleich wenige, doch stets zeitlos gültige Einspielungen. Doch der so heiß umworbene und verehrte Star machte sich zunehmend rar, scheute die Öffentlichkeit und beschränkte sich auf ein kleines Repertoire.
Dass er schon früh den Plattenstudios frustriert den Rücken kehrte, bleibt nach dem Tod des 74-Jährigen im Jahr 2004 eine der schmerzlichsten Merkmale einer kuriosen Karriere, in der sich Triumph und Tragik berührten. Ein Künstler wie Carlos Kleiber wird dennoch kaum jemals in Vergessenheit geraten. Sein ideelles und klingendes Vermächtnis wird bleiben und – so darf man hoffen – auch kommende Generationen von Dirigenten inspirieren.
Alexander Werner
Autor von "Carlos Kleiber. Ein Biografie", Schott Music, Mainz
Lebenslauf Carlos Kleiber - Leben und Karriere - Kurzvita - Aufführungen
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